IT-for-Green-Workshop Oldenburg

Am 27. Januar 2010 kamen am Oldenburger Informatikinstitut OFFIS über 60 Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um gemeinsam die Anforderungen für Betriebliche Umweltinformationssysteme der nächsten Generation zu diskutieren. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Abteilung Wirtschaftsinformatik I der Universität Oldenburg, der ecco ecology + communication Unternehmensberatung GmbH und der Oldenburger IHK.

Derzeit stellt die betriebliche Umweltinformatik vornehmlich Informationssysteme bereit, welche die Unternehmen unterstützen, der Forderung nach gesetzeskonformem Umwelthandeln nachzukommen. Damit bleiben derartige Systeme aber weit hinter den Möglichkeiten der IT zurück. Betriebliche Umweltinformationssysteme werden in Zukunft einen deutlich strategischeren und mehr integrativen Charakter aufweisen müssen. Thema des Workshops war daher die Verbesserung der betrieblichen Nachhaltigkeitsaktivitäten bei gleichzeitiger Senkung der Kosten. Im Einzelnen ging es um Material- und Energieeffizienz durch IKT, Produktionsintegrierten Umweltschutz, Stoffstrommanagement und Recycling, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Ökobilanzierung, Green Logistics sowie um Management Systeme und Compliance.

Ziel des Workshops war die Erarbeitung konkreter Anforderungen an neue Betriebliche Umweltinformationssysteme im Rahmen eines „World-Cafés" - einer innovativen Dialog- und Workshop-Methode, mit der das gemeinsame Wissen der TeilnehmerInnen erarbeitet und für neue Perspektiven und Handlungsoptionen nutzbar gemacht werden kann.

Der Workshop IT-for-Green: Betriebliche Umweltinformationssysteme der nächsten Generation (BUIS 2.0) bildete aber nur den Auftakt einer zweiteiligen Reihe im Rahmen des Projektes ertemis. Der zweite Workshop dieser Reihe wird am 3. März 2010 in Osnabrück unter dem Titel Green IT & IT-for-Green: Nachhaltige Unternehmensentwicklung auf der Basis von IuK-Systemen der nächsten Generation stattfinden.

 

Vorträge

Im Rahmen des Workshops wurden die folgenden drei Fachvorträge angeboten:


Teilnehmer

Eine Liste aller Teilnehmer des Workshops finden Sie hier: Teilnehmerliste

 

Ergebnisse

Während des Workshops wurden im Rahmen eines World-Cáfes verschiedene Dachthemen diskutiert. Die Ergebnisse der einzelnen Gruppen sind im Folgenden kurz zusammengefasst.

 

Track 1: Produktionsintegrierter Umweltschutz, Stoffstrommanagement & Recycling(-börsen)

Moderator: M.A. Pol. Christian Tönne
Fachvertreter: Prof. Dr. Horst Junker, Dipl.-Wirt.Inform. Andreas Solsbach, Dipl.-Inform. Jörg Bremer

Der Track Produktionsintegrierter Umweltschutz, Stoffstrommanagement & Recycling(-börsen) zeigte aus Unternehmenssicht die Notwendigkeit einer Kombination aus Software, der dahinter liegenden Infrastruktur und der Einbindung in die Unternehmensorganisation zur Lösung der Thematik auf. Die IT stellt die Werkzeuge bereit, ist aber als Problemlösung allein nicht ausreichend. Unterstützung wird von den Unternehmen gewünscht bei der Entscheidung für geeignete Software, der Wahl des richtigen Abstraktionslevels sowie in Auswahl und Anwendung der richtigen Standards und Indikatorsätze.
Es zeigte sich im Laufe der Diskussion auch, dass die aktuellen unternehmerischen Tätigkeiten in der Thematik stark differieren. Ein stärkerer Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wird daher als sehr fruchtbar angesehen.
Abschließend wurden die Erwartungen der Unternehmen an das zu entwerfende BUIS 2.0 folgendermaßen konkretisiert:

  • Das Werkzeug muss bei der unternehmerischen Entscheidungsfindung unterstützend wirken können. Hierfür ist es notwendig, verschiedene Handlungsalternativen im Voraus simulativ auf ihre späteren Auswirkungen vergleichend untersuchen zu können. Alle Informationen sowie ihr Ursprung müssen transparent dargestellt und zurückverfolgt werden können. Ein späteres Controlling der anvisierten ökonomischen und ökologischen Ziele muss zum Nachweis der Effizienz der verwendeten Methodik unterstützt werden.
  • Verschiedene Abstraktionslevel aufgrund von fachlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen müssen abgebildet werden können. Gewünscht ist hier sowohl eine Skalierbarkeit in den verschiedenen Dimensionen der Prozessmodellierung als auch die nachträgliche Verfeinerung einzelner Modellausschnitte.
  • Fachanwendern müssen Unterstützung durch Einbindung geeigneter Standards und Indikatorsätze finden, um Sicherheit bei deren Auswahl und Anwendung zu gewinnen.
  • Die zu entwickelnde Software muss auf bereits vorhandenen Systemen und offenen Standards aufsetzen. Adaptierbarkeit an vorhandene Software- und Unternehmensinfrastruktur ist zwingend gewünscht. Flexible und insbesondere transparente Schnittstellen für den Zugriff auf vorhandene Daten sollen den Fachanwender durch den Modellierungsprozess leiten, aber gleichzeitig volle Kontrolle über die durchgeführten Schritte bieten.


Track 2: Managementsysteme & Compliance

Moderator: Dipl.-Umweltwiss. Jörg Högemann
Fachvertreter: Michael Freundlieb, M. Sc., Nabil Allam, M. Sc.

Neben dem wachsenden Umfang regulatorischer Anforderungen und der intrinsischen Motivation der Unternehmen, „etwas für die Umwelt“ zu tun, entsteht besonders von Kundenseite der Druck, sich nach bestimmten Standards und Richtlinien zertifizieren zu lassen. Auf der anderen Seite bieten diese Zertifizierungen aber auch Chancen zur Schaffung von Transparenz und zum Eintritt in neue Märkte.
Im Rahmen des Umweltmanagements ergeben sich bspw. in Form von Einsparungen beim Materialeinsatz oder Energieverbrauch vielfältige Möglichkeiten, nicht nur die Umweltleistung sondern auch den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zu verbessern. Insgesamt hat der Workshop gezeigt, dass großes Interesse an einer Softwareunterstützung im Bereich von Managementsystemen und Einhaltung rechtlicher Vorgaben (Compliance) besteht, sofern diese nicht zum Selbstzweck betrieben wird, sondern mit vertretbarem Aufwand einen echten Mehrwert für die Unternehmen in Form einer Zeit- bzw. Geldersparnis und/oder Qualitätsverbesserung bietet. Die
Software soll nicht erst bei der Unterstützung der operativen Tätigkeiten ansetzen, sondern auch bei strategischen Fragestellungen, wie bspw. nach der Auswahl der relevanten Gesetze und Zertifizierungen sowie deren Konsequenzen für das Unternehmen Hilfestellung leisten, bestehende Insellösungen integrieren und sich hinsichtlich der Bedienbarkeit an bewährter Standardsoftware wie z.B. MS Office- Lösungen orientieren.

 

Track 3: Green Logistics: Suistainable Supply Chain Management, Carbon Footprints & Maßnahmen zur Transportkostensenkung

Moderator: Dipl. Oec. Karsten Uphoff
Fachvertreter: Prof. Dr. Frank Teuteberg; Michael Nickol, B. Sc.

Der Track Green Logistics: Sustainable Supply Chain Management, Carbon Footprints & Maßnahmen zur Transportkostensenkung offenbarte die Notwendigkeit zur Erfassung von mehreren unterschiedlichen Kennzahlen als nur den CO2-Emissionswerten zur softwaregestützten Planung, Umsetzung und Steuerung einer nachhaltigen Logistik. Aufgrund der globalen Aktivitäten der Logistik- Branche bedarf die Erhebung von Nachhaltigkeitskennzahlen internationaler Standardisierung. Essentiell dabei ist die Abgrenzung von Start und Ende einer CO2-Berücksichtigung im Produktlebenszyklus.
Die Auswirkungen vorgelagerter Stufen der Supply Chain sollten bei späteren Stationen im Produktlebenszyklus wie bspw. dem Recycling durch Kennzahlen simulierbar werden. Mit Hilfe eines entlang der Supply Chain weitergereichten Datenobjektes könnten Produktkomponenten- Veränderungen simuliert und dokumentiert werden. So gewonnene Erkenntnisse ließen sich in einer Wissensdatenbank für Verbesserungen bei nachfolgenden Produkteentwicklungen speichern. Als IT- Infrastruktur wird aufgrund der flexiblen Natur zeitgemäßer Supply Chains ein Cloud Computing-Ansatz für die Umsetzung eines derartigen Konzepts favorisiert.

 

Track 4: Nachhaltigkeitsberichterstattung, Nachhaltigkeitslabel & Ökobilanzierung

Moderator: Dipl. Oec. Katrin Sulmann
Fachvertreter: Dipl.-Inform. Daniel Süpke, Dipl.-Kffr. Jana Gebauer

Der Track Nachhaltigkeitsberichterstattung, Nachhaltigkeitslabel und Ökobilanzierung war stark geprägt von den Anforderungen eines konkreten Projekts zur Einführung von Nachhaltigkeitslabels und Entscheidungshilfen für die Insel Spiekeroog. Um die Insel für den Tourismus attraktiver zu gestalten sollen an Hotels, Cafés, Schulen etc. Nachhaltigkeitslabel vergeben werden. Die konkrete Umsetzung und Inhalte dieser Labels sind allerdings noch auszugestalten, erste Ideen gingen in Richtung Darstellung verständlicher und nachhaltigkeitsbezogener Leistungen und Ziele der jeweiligen Unternehmen/Organisationen. Für die gesamte Insel ist ein Bericht denkbar, der verdeutlichen soll, wie sich Spiekeroog insgesamt entwickelt. Ein umfassenderer, interner Bericht könnte zur Entscheidungsunterstützung für die nachhaltige Entwicklung der Insel dienen. Aus IT-Sicht stellt sich anhand der bisherigen Anforderungen die Herausforderung, ein integriertes System zu schaffen, dass die Sammlung von Nachhaltigkeitsinformationen bündelt, Label erstellt und Prognosen zur Entscheidungsunterstützung bereitstellt. Die Öffentlichkeit soll sich über das Web an der Diskussion beteiligen können. Neben der technischen Seite wurde als Herausforderung von allen Beteiligten die Zusammenstellung und Auswahl von relevanten Standards genannt sowie eine Notwendigkeit zur konkreten Ausformulierung der Ziele und Einbeziehung lokaler Unternehmen in die Planung.

 

Track 5: Green IT & Energie- und Materialeffizienz durch IKT

Moderator: Dr. Liane Haak
Fachvertreter: Dipl.-Inform. Nils Giesen, Dipl.-Wirtsch.-Inf. André Schubert

Die Diskussionen im Track "Green IT / Energie und Materialeffizienz durch IKT" für die neue Generation von BUIS zeigten auf Seite der Unternehmen primär einen erhöhten Bedarf an Integrationsmöglichkeiten. Vor allem die Integration der vorhandenen verschiedenen Insellösungen hin zu einem zentralen BUIS wurde von allen beteiligten Unternehmern als eine mögliche Ideallösung gesehen. Getrieben werden diese Bemühungen insbesondere in größeren und international tätigen Unternehmen durch die zunehmenden Anforderungen der Legal Compliance. Bei dem Wandel der Insellösungen zu einem zentralen System soll auch die Integration in ein zentrales Unternehmenssystem (in Form eines ERP) nicht ausgeschlossen sein. Die funktionalen Anforderungen an ein solches System zeigten den Bedarf für effiziente "On-Demand" Auswertungen sowie den schnellen und benutzerfreundlichen Zugriff auf prozessnahe Daten. Ebenfalls sollen die Systeme Funktionen für ein effektives Recycling und zum Managen der Entsorgung ermöglichen. Die nichtfunktionalen Anforderungen der Systeme beinhalteten "Green-IT" Kernthemen wie energieeffiziente IT-Strukturen und die Einführung neuer, effektiverer Client/Server-Architekturen. Weitere wichtige Themen zur Diskussion waren die Aktualität, Komplexität und Qualität der verfügbaren Daten, sowie die Möglichkeit zu prozessorientierten Modellen von BUIS-Systemen. Beteiligte Software- und Consulting-Unternehmen interessierte neben einer Ist-Analyse über den Stand der verwendeten Insellösungen, die augenscheinlich von den im Vortrag genannten Verhältnissen stark abweichen, auch ein Abgleich über den jeweiligen Stand in der Wissenschaft und der Wirtschaft. Gesamtziel der Integration der vorhandenen Insellösungen soll eine vereinfachte Interpretation der vorhandenen Daten sein, um letztlich eine Vergleichbarkeit für verschiedene Prozesse in den Unternehmen zu schaffen.

 

Fotos

Für Impressionen des Workshops besuchen Sie bitte unsere Bildergalerie.

 

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